Niemals vergessen

Manche Dinge lassen sich nur schwer erzählen. Die Stimme stockt und manchmal kommen die Tränen. Doch der Wunsch, die eigenen Erinnerungen mit der Familie zu teilen und gleichzeitig einen Schlussstrich zu ziehen, ist größer – und es bleiben ja auch noch viele schöne Dinge, die zu berichten sind. Geschichten die von einer behüteten Kindheit handeln, von liebevollen Eltern, und einer Dorfgemeinschaft, in der man sich aufgehoben fühlte. Ich bewundere diese mutige Frau, 82 Jahre alt, die da vor mir sitzt und erzählt. Man spürt, wie sie von ihrer Familie getragen wird, die Familie ist die Kraftquelle, aus der sie schöpft.

Frau Schäfer gehört zu den sogenannten Donauschwaben, und sie hat ihre Kindheit in den 30er und 40er Jahren in Bulkes verbracht, einem deutschen Dorf im heutigen Serbien. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die verbliebenen Dorfbewohner entweder in Vernichtungslagern zusammengepfercht oder in Arbeitslager nach Russland verschleppt. Wie es die damals Zwölfjährige geschafft hat, im Lager zu überleben und später sogar ihre Familie wieder zu finden, das erzählt sie mir in vielen Stunden in ihrem gemütlichen Wohnzimmer, in das immer wieder die Kälte aus der Vergangenheit dringt. Irgendwann kommt die Enkelin zu Besuch, die das Cover für das Buch gestalten wird, und am Ende ist es dieses Bild, das mir am meisten im Gedächtnis bleibt: Oma und Enkelin, wie sie sich an den Händen halten.

„Niemals vergessen“ nennen sie gemeinsam das Buch und trotz der schrecklichen Dinge, von denen hier die Rede ist, ist nur wenig Bitterkeit zu spüren. Es überwiegt der Wunsch, dass so etwas nie wieder geschehen möge. Danke liebe Frau Schäfer für das Vertrauen und für Ihre Geschichte. Es war mir eine Ehre, sie aufzuschreiben!

Margarete Schäfer: Niemals vergessen – Leben, überleben, weiterleben 
Interviews, Texte, Layout, Satz
Susanne Popp, Biografienwerkstatt
im Auftrag von Margarete und Andrea Schäfer
Umschlaggestaltung: Kim-Lally Schoppet
Abbildungen: Familienfotos und private Dokumente
Umfang: 117 Seiten
Privatpublikation, erschienen Februar 2016