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Die eigene Biografie schreiben lassen – von der Idee bis zum Buch

„Ein unehrliches Kind“ lautet einer der Titel der Biografienwerkstatt. Er entstand in enger Zusammenarbeit  mit dem Auftraggeber René Lang aus der Nähe von Luzern. Dieser Artikel schildert den Entstehungsprozess von der Idee bis zum fertigen Buch – exemplarisch vielleicht auch für Sie, wenn Sie ihre eigene Biografie schreiben lassen möchten.

Ein Buch über seinen Vater und seine gesamte verschlungene und komplizierte Familie wünschte sich René Lang – und trug sich viele Jahre lang mit dem Gedanken, selbst etwas darüber zu schreiben. Er und seine Geschwister waren mit einem Vater aufgewachsen, der mit drei Frauen zusammenlebte. Eine Lebens- und Familiengeschichte, die geprägt war von unausgesprochenen Wahrheiten. Als erwachsener Mann wollte er endgültig Schluss machen mit den Tabus und gleichzeitig seinem Vater und den drei Frauen ein Denkmal setzen. Den Grundstein hatte er bereits gelegt: Er hatte ein Interview mit seiner Tante gemacht, die ihm kurz vor ihrem Tod von der Vergangenheit erzählte. „Ihre Augen haben geleuchtet, als ich ihr von meiner Idee erzählte, ein Buch zu schreiben“, erinnert René Lang sich. Das war im Jahr 2006.

Trotz aller guten Vorsätze kam das Projekt über mehrere Jahre ins Stocken. Für René Lang erwies es sich als unmöglich, selbst die Geschichte seiner Familie aufzuschreiben. Es fehlte ihm, wie er selbst meinte, die nötige Distanz und Objektivität und auch schlicht die Zeit. Er beschloss, sich Unterstützung für sein Projekt zu suchen.

Der Anfang

Im Mai 2013 erreichte mich in der Biografienwerkstatt seine Anfrage per Email. René Lang hatte meine Homepage im Internet gefunden. Ein Termin für ein Kennenlernen war schnell vereinbart und sehr bald war klar, dass die Vertrauensbasis stimmte: Hier würde ein gutes Arbeiten möglich sein. Es wurde ein Vertrag geschlossen, der alle Details und die Honorarbasis festlegte.

Nun folgten lange Gespräche: mit ihm, mit seinen Geschwistern und mit seiner 90jährigen Ziehmutter. Immer tiefer tauchte ich in die Familiengeschichte ein und nach und nach fügten sich die verschiedenen Erinnerungen, Ansichten und Perspektiven der Familienmitglieder zu einem Puzzle zusammen.  Alle Gespräche wurden aufgenommen und das erste Niederschreiben der Gesprächsprotokolle war ein wichtiger Arbeitsschritt, der mir half, die Details der Geschichte zu verstehen und im Kopf zu behalten.

Kinderfotos der Familie

In den 50er Jahren © René Lang

Es hätte auch ein Roman werden können, hatte René Lang mir zu Beginn erklärt, und daher schlug ich vor, jedes Kapitel mit einem kleinen romanhaften Einschub zu beginnen. Während ich schrieb, scannte René Lang einen grossen Teil seines Familien-Fotoarchivs und noch dazu einige Originaldokumente, wie beispielsweise Postkarten und Briefe.  In unseren Gesprächen waren wir die Fotos bereits durchgegangen und ich hatte mir ein Bild der bereits verstorbenen Familienmitglieder machen können. Nach und nach füllte sich die Dropbox, mit deren Hilfe sich sehr einfach und sicher auch grosse Dateien per Internet austauschen lassen, und ich ordnete die Fotos den einzelnen Kapiteln zu, denn René Lang wünschte keine separaten Fotoseiten. Die Abbildungen sollten direkt in den Text eingebaut werden.

Eine Geschichte der Generationen

Im Mittelpunkt der Familiengeschichte standen zwei Generationen: die erste in den 10er bzw. 20er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren, die zweite in den 40er Jahren. Doch die Familie war gewachsen und es gab viele Enkel. Wäre es nicht schön, diese auch aus ihrem Leben erzählen zu lassen? Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden, und René Lang bezog seine Kinder, Nichten und Neffen in das Projekt mit ein. Ich war begeistert, als ich die Berichte der nächste Generation erhielt: neun Männer und Frauen, die in den 70er, 80er und 90er Jahren geboren waren. Anders als der Rest des Buchs, der in der dritten Person, also aus der Perspektive eines neutralen Erzählers geschrieben war, nahm ich diese Berichte nur behutsam redigiert in der Ich-Form in das Buch auf. Das Buch bekam nun eine neue, vorwärts strebende Ausrichtung, die uns sehr gefiel. Acht Urenkel gab es bereits, von denen die ältesten schon selbst das Buch würden lesen können.

Bereits während die Berichte der „Enkel“ noch in Arbeit waren, hatte ich mit dem Layout und Satz des Buchs begonnen. Wegen der vielen Fotos, die es zu integrieren galt, waren die Satzarbeiten etwas aufwändiger. Auch war klar, dass es eine gewisse Flexibilität beim Aufbau der Seiten brauchen würde. Es konnte jederzeit noch ein Foto oder ein Dokument hinzukommen. Auf einen externen Lektor verzichteten wir, das Korrekturlesen übernahm der Auftraggeber selbst.

DooppelseiteUnehrlichesKindDoppelseite mit vielen Abbildungen

In einer intensiven Schlussphase im Januar wurden der Buchsatz fertig gestellt und die Druckdaten für einen Andruck an die Druckerei übermittelt. Einige Tage später erhielt ich den Andruck der Titelseite und der Inhaltseiten auf Originalpapier, den ich nach Prüfung an René Lang weiter leitete. Um die Kontrolle von Rechtschreibfehlern geht es bei diesem Arbeitsschritt nicht mehr, sondern beispielsweise darum, ob Fotos und Schriften korrekt wieder gegeben werden.

Produktion und Präsentation

Für den Druck rechneten wir einen grosszügigen Zeitpuffer ein. René Lang hatte seine gesamte Familie zu einer festlichen Veranstaltung eingeladen, einer Buchvernissage, in deren Rahmen er das Buch vorstellen wollte. Die Bücher sollten nicht im allerletzten Moment fertig werden, diesen Stress wollte ich ihm und auch mir ersparen! Zum Glück klappte alles nach Zeitplan und fast drei Wochen vor dem Vernissage-Termin kam die Lieferung von 100 Exemplaren an. Am Sonntag dem 16. März schliesslich wurde die Buchvernissage mit Lesung und einem Rahmenprogramm gefeiert. Es war wunderbar, vielen Dank! Einen Bericht dazu finden Sie hier: Link.

Biografienwerkstatt Unehrliches Kind

Vom ersten Kontakt bis zum fertig gedruckte Buch waren rund 8 Monate vergangen. In diesem Zeitraum gab es Pausen und Urlaubszeiten, so dass effektiv rund 5 bis 6 Monate an dem Buch gearbeitet wurde.

Sind Sie neugierig geworden? Das Buch „Ein unehrliches Kind“ kann direkt bei der Biografienwerkstatt bestellt werden für 30 Fr bzw. 24 Euro. Hier eine Leseprobe und hier der Klappentext:

Wie kann es sein, dass Geschwister miteinander aufwachsen, ohne zu wissen, dass sie denselben Vater haben? Mit dem Abstand einer Generation macht sich René Lang, der uneheliche Sohn eines ungewöhnlichen Patriarchen, daran seine Familiengeschichte aufzuschreiben und wird dabei von den unterschiedlichen Sichtweisen auf die Vergangenheit überrascht. Entstanden ist ein versöhnliches Dokument, das den Wert der Familie feiert, und ein Dankeschön an die Liebe und Duldsamkeit dreier Frauen.

Ihre Bestellung senden Sie bitte an: 

mail(at)biografienwerkstatt(punkt)de

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