Das grüne Seidentuch – Beispiel für eine Familiengeschichte

Die Familiensaga „Das Grüne Seidentuch“ beginnt im abgelegenen Schweizer Bergell.  Marcella Maier, Jahrgang 1920, erzählt die Geschichte ihrer Mutter, Grossmutter, Urgrossmutter und Ururgrossmutter und widmet sie ihren eigenen vier Töchtern, die heute zwischen 60 und 70 Jahre alt sein dürften. Das Buch ist geradlinig und ohne Schnörkel geschrieben und wirkt wie das Ergebnis langer Erzählabende. Und so liest es sich auch.

Mehr als zweihundert Jahre Leben stecken in dem Buch. Die Autorin ist heute 93 Jahre alt, ihre Ururgrossmutter, über die sie in ihrer Kindheit viel erfahren hat, wurde 1797 geboren. Es ist eine Geschichte starker Frauen, die alle Schicksalsschläge meisterten und stets in der waren, selbst für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder zu sorgen. Im 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts fragte niemand nach Selbstverwirklichung. Es ging darum, zu überleben und genug zu essen zu haben. Allen Widrigkeiten zum Trotz wollten diese Mütter immer etwas mehr für ihre Töchter: Eine  zum Beispiel und einen Ehemann, der sie unterstützt. 

Das Buch ist eine wunderbare Inspiration für alle, die planen, selbst ihre Familiengeschichte aufschreiben. Der Stil ist nicht kreativ, wirkt aber dafür umso ehrlicher. Marcela Maier psychologisiert nicht. Sie erzählt die überlieferten Fakten und schmückt einzelne Situationen und Gegebenheiten, die so oder so ähnlich stattgefunden haben, mit Dialogen und Empfindungen. Es ist ihre Interpretation der Ereignisse – und das ist absolut legitim. Die Wahrheit gibt es ohnehin nicht.

Einfach schreiben“ könnte Marcella Maiers Botschaft sein für alle, die sich schwer tun, einen Anfang für ihre Familiengeschichte zu finden. < Marcella Maier, „Das grüne Seidentuch“, Piper Verlag 

Ein sehr lesenswertes Interview mit der Autorin mit einem rührenden Foto findet man hier:   www.reformiert.info